OB Cerny reagiert auf Offenen Brief der Kultur

Oberbürgermeister Michael Cerny. Foto © Allegra Schulz

Mehrere Amberger Kulturvereine und Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft haben sich in einem Offenen Brief zur Neubebauung des früheren Bürgerspitalareals an die Stadt gewandt. Sie begrüßen die Schaffung von Wohnraum, sehen jedoch die weitere Entwicklung des Ring-Theaters als Kultur- und Begegnungsort gefährdet. Im Zentrum der Anmerkungen stehen die sehr nahe Bebauung am Kino sowie die geplante Ein- und Ausfahrt der entstehenden Tiefgarage direkt vor dem Haupteingang. Die Unterzeichnenden befürchten Konflikte mit Besucherströmen und Fluchtwegen und regen an, die Erschließung über die Ziegelgasse zu prüfen sowie mehr Abstand zur Kinofassade zu schaffen.

Oberbürgermeister Michael Cerny betont in seiner Antwort, dass auch die Stadt ein großes Interesse daran habe, das Ring-Theater weiterhin zu nutzen und das kulturelle Leben durch eigene beziehungsweise geförderte Veranstaltungen zu bereichern. Das Anliegen, diese Nutzungsmöglichkeit zu erhalten und wenn möglich zu intensivieren, teile er uneingeschränkt. Eine grundsätzliche Gefährdung durch die aktuelle Planung sieht Cerny jedoch nicht. Er verweist darauf, dass die Entwicklung des Areals nach Bürgerentscheid und Bürgerrat den klaren Auftrag habe, in der Altstadt neuen Wohnraum zu schaffen und eine soziale Mischung zu ermöglichen, unter anderem über einkommensorientierte Förderung.

Für die Umsetzung seien mit der Wohnungsgenossenschaft Werkvolk eG und dem Architekturbüro EVH zwei Partner eingebunden, die die Rahmenbedingungen der Amberger Altstadt kennen. In historisch gewachsener Struktur seien Abwägungen unvermeidlich, was sich insbesondere bei Stellplätzen und der Lage der Zufahrt zeige. Eine Ein- und Ausfahrt über die Ziegelgasse sei auf Wunsch des Stadtrats geprüft worden. Nach Darstellung der Planer werde diese Variante jedoch aus Gründen des Schall- und Brandschutzes sowie aus verkehrstechnischen Erwägungen als nicht realisierbar eingeschätzt. Der Oberbürgermeister hebt außerdem hervor, dass der Bauantrag Ergebnis eines langjährigen, öffentlich begleiteten Prozesses sei und der Siegerentwurf bereits im August 2024 vorgestellt sowie in öffentlichen Sitzungen weiter erläutert wurde.

Der Bauantrag liegt nach Angaben Cernys nun im Baureferat zur Prüfung. Der Bauausschuss befasse sich vor einer Entscheidung erneut mit dem Vorhaben. Zugleich weist er darauf hin, dass Baugenehmigungen Verwaltungsakte sind. Ist die Planung genehmigungsfähig, bestehe ein Anspruch auf Erteilung. Das Szenario, dass bei Veranstaltungen „massenweise“ Fahrzeuge durch wartende Gäste fahren, hält Cerny für wenig wahrscheinlich, da die Frequenz einer Quartiersgarage zu diesen Zeiten überschaubar sei. Er warnt zudem, dass eine Klage mit dem Ziel, die Bebauung zu verhindern, im schlimmsten Fall zu jahrelangem Stillstand führen und damit auch die Sanierung der Spitalkirche sowie die geplante Platzgestaltung hinter der Kirche wieder zur Disposition stellen könnte. Abschließend bietet der Oberbürgermeister den Kulturschaffenden an, sich zeitnah zusammenzusetzen, um über die weitere Entwicklung des Bereichs und Möglichkeiten einer intensiveren kulturellen Nutzung des Ring-Theaters zu sprechen.

(grt)