Beide Werke erzählen musikalisch aus unterschiedlichen Epochen von der Konfrontation zwischen Leben und Tod, Jugend und Vergänglichkeit. Sie beziehen sich dabei auf vorliegende Kunstwerke: Franz Schuberts berühmtes Streichquartett, das zu den wichtigsten und schönsten Werken der romantischen Kammermusik gehört, geht auf das spätmittelalterliche Motiv vom Tod und dem Mädchen in der Kunst und Literatur und im Besonderen auf das gleichnamige Gedicht von Matthias Claudius zurück. Dieses thematisiert die Auseinandersetzung eines jungen Mädchens mit dem Tod. Die Erscheinung des Todes, die sich im Laufe der Zeit geändert hat, zeigt sich in Claudius Vorlage nicht mehr als abschreckende Gewalt, sondern eher als tröstende Macht und wurde damit zu Schuberts Liedvorlage, 1817 komponierte er „Der Tod und das Mädchen“ für Gesangsstimme und Klavier. Seine Liedkomposition wurde sieben Jahre später die Grundlage für den zweiten Satz des berühmten Streichquartetts in d-Moll.
Auch der bekannte Amberger Komponist H.E. Erwin Walther hat sich in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Vergänglichkeit von Werken alter Meister inspirieren lassen, 1949 entstand sein Streichquartett „Die Nacht“ - Improvisation nach Michelangelos gleichnamigem Bildwerk auf den Medicigräbern. E.H. Erwin Walthers Komposition bezieht sich direkt auf die Skulptur Michelangelos „Die Nacht“. Sie stellt einen Teil des Grabmals von Lorenco di Piero de‘ Medici in der Basilica di San Lorenzo in Florenz dar. Gemeinsam mit weiteren thematisch verwandten Allegorien Michelangelos bildet „Die Nacht“ eine bildnerische Komposition des zyklischen Zeitablaufs, in der die dargestellte Figur Schlaf, Ruhe und Tod, also das Ende eines Lebensabschnittes symbolisiert.
Die Komposition wurde anlässlich des 30. Geburtstags des Komponisten am 1. April 1950 im Amberger Casinosaal im Rahmen eines Kammermusikabends uraufgeführt. Mit seiner Besetzung ging H.E. Erwin Walther mehr vom künstlerischen Bildimpuls als von einer formal klassischen Komposition aus. Die Musik „erzählt“ nicht Handlung, sondern führt stark eine nächtliche Stimmung und ist als metaphorische Erzählung bzw. tiefgründige Innenschau zu verstehen, in der sich die Bildende Kunst mit der Musik verbindet.
Das Konzert findet mit freundlicher Unterstützung mit der H.E. Erwin Walther Stiftung statt.
Weitere Informationen sind auf der Website https://stadttheater.amberg.de ersichtlich. Tickets sind in der Tourist- Information unter ticket@amberg.de oder telefonisch unter Tel. 09621/10-1233 oder im Webshop unter http://webshop.amberg.de erhältlich. Zu beachten ist, dass die Studioveranstaltungen nicht barrierefrei sind.
