"Re;sist" ist der neue Widerstand in der Caritas

Von links: Silvia Völkl-Renner, Zentrumsleitung Kolping, Franz Badura, 3. Bürgermeister Stadt Amberg, Thomas Schieder, Leiter Jugendamt Landkreis Amberg-Sulzbach, Benjamin Treffert, Leiter der Fachambulanz, Günther Koller, Vorsitzender Caritas Amberg, Thomas Boss, Leiter Jugendamt Amberg und die Beraterin Madeleine Gräf (vorne Mitte). Foto © Stadt Amberg

Es gibt zwei Neuerungen in der Caritas Amberg: Zum einen wurde die Fachambulanz für Suchtprobleme Amberg in die Amberger Caritas-Familie eingegliedert, zum anderen erweiterte die Suchtberatung der Amberger Caritas ihr Profil um einen weiteren Teilbereich - eine Beratungsstelle für suchtkranke und suchtgefährdete Jugendliche und deren Angehörige. Nach Monaten des Aufbaus, der Einarbeitung und Knüpfung neuer Netzwerke wurde die Stelle nun mit einer offiziellen Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bisher konnten nur Erwachsene ab 18 Jahren in der Beratungsstelle der Fachambulanz für Suchtprobleme Hilfe für Problematiken im Zusammenhang mit stoff- und nicht stoffgebundenen Suchtmitteln suchen. Die Altersgruppe der 12 – 18-jährigen war dabei immer außen vor. Dies ändert sich nun. Für 16 Stunden die Woche sind die Türen für Kinder und Jugendliche mit Suchtproblemen geöffnet. So viele Stunden haben die Stadt Amberg und der Landkreis Amberg-Sulzbach dem Caritasverband Amberg-Sulzbach bewilligt, um eine geeignete Anlaufstelle für junge Menschen mit Abhängigkeitsproblemen zu schaffen. Der Geschäftsführer des Caritasverbands Amberg-Sulzbach, Günther Koller, begrüßte die geladenen Gäste aus Politik und dem Öffentlichen Leben, um die neu geschaffene Stelle vorzustellen. „Die Re;sist – Caritas Beratungsstelle für Jugendliche mit Suchtproblemen – so der offizielle Name - stellt für die Mittlere Oberpfalz ein Novum dar!“, so der Leiter der Fachambulanz für Suchtprobleme, Benjamin Treffert. Einzig die Stadt Regensburg kann hier eine vergleichbare Stelle aufweisen. Somit zeigen sich die Amberger Region und der Caritasverband Amberg-Sulzbach e.V. modellhaft für die umliegenden Landkreise in der Hilfe suchtbelasteter junger Menschen.

Der Name stammt nicht nur vom englischen Wort „widerstehen“ - ein Gefühl, das alle Menschen kennen, deren Konsum außer Kontrolle geraten ist; das Semikolon „;“im Namen steht auch dafür, dass ein Satz nicht aufhört, sondern weitergehen kann. Die Idee stammt aus einem Suizidpräventionsprojekt und soll aufzeigen, dass das Leben nach einer schweren Zeit auch wieder positiver fortgeführt werden kann.

Dass es einen Bedarf an Beratung für konsumierende Jugendliche gibt, spiegelt der jährliche Bericht der Bundesdrogenbeauftragten wider: Hier zeigen die Zahlen einen deutlichen Zuwachs an gefährlichem Konsum bis hin zu Abhängigkeiten im Bereich der Unter-18-Jährigen. Nach zwei Lockdowns in Folge der weltweiten Corona-Pandemie äußert sich das insbesondere in den sogenannten stoffungebundenen Abhängigkeiten. So konnte in Deutschland als auch in der Oberpfalz ein dramatischer Anstieg bei Jugendlichen mit krankhaftem Onlineverhalten als auch im Bereich der Essstörungen wahrgenommen werden.

Um dem Landkreis sowie Stadtgebiet Amberg in gleichen Teilen gerecht zu werden, finden die Beratungen in Sulzbach-Rosenberg jeden Montag von 8-17 Uhr in der Adolph-Kolping-Straße 1 statt und jeden Dienstag in der Zeughausstraße 12 in Amberg im gleichen Zeitrahmen. Um auf die Bedürfnisse und Lebenswirklichkeiten der mitunter sehr jungen Konsumenten und Konsumentinnen zu reagieren, wurden großzügige „offene“ Sprechstunden in den Beratungszeiträumen geschaffen. Das heißt, dass die Jugendlichen und ihre Angehörigen - also Ihre Eltern und Freunde – ohne vorherige Terminvereinbarung in die Beratungsstelle kommen können, um schnell und unkompliziert Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wer doch einen festen Termin ausmachen möchte, kann diesen problemlos telefonisch in der Fachambulanz für Suchtprobleme in der Dreifaltigkeitsstraße 3 in Amberg vereinbaren.

Innerhalb der Beratung besteht selbstverständlich strengste Schweigepflicht. Die Inhalte der Gespräche sind vertraulich. Die Beratungen können auch jederzeit anonym durchgeführt werden. In der „Re;sist“-Beratungsstelle können Betroffene und Angehörige Informationen rund um die Themen stoffgebundene und stoffungebundene Abhängigkeiten bekommen, erhalten Hilfe in der Stabilisierung ihres Gesundheitszustands oder Hilfen zur Überwindung ihres Konsums. Auch wird mit ihnen nach geeigneten Rehamaßnahmen gesucht, um eine Abhängigkeit zu überwinden; in diesem Rahmen werden auch Anträge und Formalien mit ihnen vorbereitet und durchgeführt.

„Die Jugendlichen mit ihren Problemen und ihren Lebenswelten stehen in der Beratung ganz im Mittelpunkt. Sie geben den Weg und die Geschwindigkeit vor!“, erklärt die Beraterin der Re;sist Jugendsuchtberatung, Madeleine Gräf. So können die Jugendlichen laut der Suchtexpertin eigene Lösungen für ihre Probleme finden.  Dadurch soll gewährleistet werden, dass eine Hilfe nicht nur temporär besteht, sondern den Betroffenen auch nachhaltig die Möglichkeit geboten wird, auf selbst erlernte Lösungsmöglichkeiten zurückzugreifen.

Presseinformation der Caritas- Fachambulanz für Suchtprobleme Amberg, Tel. 09621/475540, E-Mail b.treffert(at)suchtambulanz-amberg.de