Augen auf M.M. Prechtl zum 100. Geburstag

Ausschnitt aus 02_Michael-Mathias-Prechtl_Selbstbildnis-im-blauen-Hemd_1961_Foto-Copyright_Stadtmuseum-Amberg_erworben-mit-Unterstützung-der-Kulturstiftung-der-Länder

04_Michael-Mathias-Prechtl_Die-Entführung-der-vier-Apostel-aus-Nürnberg_1967_Foto-Copyright_Stadtmuseum-Amberg

01_Michael-Mathias-Prechtl_In-memorian-Max-Beckmann_1960_Foto-Copyright_Stadtmuseum-Amberg_erworben-mit-Unterstützung-der-Kulturstiftung-der-Länder

07_Michael-Mathias-Prechtl_Der-Traum-Toledo_1986_Foto-Copyright_Stadtmuseum-Amberg

05_Michael-Mathias-Prechtl_Selbstbild-im-April-80_Mischtechnik-auf-Bütten_Stadtmuseum-Amberg_Foto-Copyright_Stadtmuseum-Amberg

Der in Amberg geborene Maler und Illustrator Michael Mathias Prechtl (1926−2003) hätte im April 2026 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Das Stadtmuseum Amberg nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, um das Werk des Künstlers im Rahmen der Sonderausstellung „Köpfe. Zeiten. Geschichte(n).“ aus neuen Blickwinkeln zu betrachten und Einblicke in bisher noch wenig beachtete Aspekte zu geben. Die Ausstellung läuft bis einschließlich 10. Januar 2027.

Prechtl: Ein Oberpfälzer in Franken

Prechtl wurde 1926 in Amberg geboren und ist ebendort zur Schule gegangen. Seine Jugend wurde vom Zweiten Weltkrieg, seinem Kriegsdienst und der anschließenden Gefangenschaft maßgeblich geprägt. Nach seiner Rückkehr nach Amberg 1949 arbeitete er für kurze Zeit als Röhrengießer in der Luitpoldhütte, ehe er nach Nürnberg zog, um ein Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste zu beginnen. 

Seine frühen Arbeiten entstammen der druckenden Kunst. Das sind vor allem Lithografien, Holzschnitte und einzelne Radierungen. Erst im Verlauf der 1950er-Jahre findet Prechtl zur Malerei, nimmt an Ausstellungen teil und entwickelt nach und nach seinen einzigartigen Stil. Der Mensch stellt sich dabei schon früh als sein bevorzugtes Bildmotiv heraus. 

Internationale Bekanntheit erlangte Prechtl für seine Illustrationen für die „New York Times“, das „SPIEGEL“-Magazin und literarische Klassiker, die u. a. von der Büchergilde Gutenberg und dem C.H.Beck-Verlag publiziert wurden. Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet. Kurz nach seinem letzten offiziellen Auftrag, den er für seine Geburtsstadt Amberg ausführte, verstarb Prechtl 2003 in Nürnberg. Seine letzte Ruhestätte fand er wiederum auf dem Amberger Katharinenfriedhof.

Einmalige Zusammensetzung

Neben Werken, aus dem im vergangenen Jahr durch die Stadt Amberg angekauften und im Stadtmuseum verwahrten, künstlerischen Nachlass, sind ebenso zahlreiche Leihgaben aus Privatsammlungen zu sehen, die entweder noch nie oder lange Zeit nicht ausgestellt waren. So treffen u. a. das großformatige Gemälde „Der Traum Toledo“, eine Ansicht der Burg Prunn im Altmühltal und ein persönliches Jubiläumsgemälde auf die Entwürfe zur Ausmalung des Nürnberger Rathaussaals. 

In seinen frühen Jahren war seine Ehefrau Frydl Zuleeg sein wichtigstes Modell. So entstanden einfühlsame und persönliche Bildnisse. Die Ausstellung beleuchtet die Beziehung zwischen Prechtl und seiner Ehefrau, die selbst ausgebildete Künstlerin war. Von dieser persönlichen Ebene aus schlägt sie einen Bogen zu der Frage, wie Prechtl Frauen in seinen Werken darstellt. Dabei werden Bezüge zu aktuellen Themen wie Gender, Identität und Selbstbestimmung hergestellt.

Die Ausstellung zeigt Prechtl auch als Persönlichkeit mit widersprüchlichen Seiten. Beleuchtet wird das Spannungsfeld zwischen dem anerkannten Meister und dem „Eigenbrötler“, zwischen dem international erfolgreichen „Provinzkünstler“ und dem Künstler, der mit der Absage zur Ausmalung des Nürnberger Rathaussaals rang.

Mehrere Medien- und Mitmachstationen laden zum individuellen Erkunden der Kunst ein, die dabei im wahrsten Sinne des Wortes auch ganz genau unter die Lupe genommen werden kann. Die Ausstellung umfasst zudem ein Tastmodell zu einem zentralen Werk der Sonderausstellung sowie Texte in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache.

Ergänzung zur Dauerausstellung

Die kommende Sonderausstellung bietet mit ihrer Vielfalt an Themen eine Ergänzung der bestehenden Dauerausstellung „A Tribute to Michael Mathias Prechtl“, welche einen Überblick über das Leben und Wirken des Künstlers gibt. An ausgewählten Stellen werden auch in der Dauerausstellung Werke tiefergehend betrachtet und in neue Kontexte gesetzt.

Rahmenprogramm in Kooperation

Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm für alle Altersgruppen begleitet die Sonderausstellung. Neben regelmäßigen öffentlichen Führungen für Erwachsene sowie Kunst-Snacks zur Mittagspause, gibt es eine Vielzahl an Formaten. Beginnend mit Angeboten im Bereich der frühkindlichen Bildung für Kinder ab 2,5 Jahre, über kreative Werkkantinen für Kinder ab 6 Jahre, Ferienprogramme zu den verschiedenen Druck- und Collagetechniken des Künstlers sowie einem Familienaktionstag im Herbst. 

Eine Telefonführung und weitere deskriptive Führungsangebote wie auch eine Lesung der Bayerischen Hörbücherei machen die Ausstellung auch für blinde und sehbehinderte Menschen gleichermaßen wie alle Interessierten erfahrbar.

Eine sechs Termine umfassende Vortragsreihe beleuchtet einzelne Aspekte aus dem Schaffen Prechtls aus wissenschaftlicher Perspektive. Zum Beispiel geht es um seine ersten öffentlichen Arbeiten mit „Kunst am Bau“, Erkenntnisse zu seinem druckgraphischen Werk oder seine Reise in die Niederlande auf den Spuren Albrecht Dürers.

In Kooperation mit der VHS-Amberg wird im Bereich der Gesundheitsförderung „Kunst tut der Seele gut“ angeboten. Kunsttherapeutin und Traumapädagogin Evi Hefter vermittelt im Kurs Entspannungs- und Kreativtechniken, wobei kurze Ausstellungsbesuche als Inspiration dienen. Im Bereich „Kreativität“ bietet Künstler Marcus Trepesch einen Zeichenkurs vor Originalen an.

Ausstellungsförderung und Nachlassankauf

Die Sonderausstellung wird gefördert vom Kulturfonds Bayern, vom Förderverein Michael Mathias Prechtl e.V. sowie von der Stadtbau Amberg GmbH.

Der künstlerische Nachlass von Michael Mathias Prechtl wurde im Dezember 2025 von der Stadt Amberg erworben mit freundlicher Unterstützung von den Fraktionsinitiativen Bayern, der Kulturstiftung der Länder sowie einem privaten Mäzen.

 

Termine in der Übersicht:

  • 09.05.2026 | 10:30-12:30 Uhr | Werkkantine „Von klein bis groß: Motivsuche“
    für Kinder (6−12 Jahre)
  • 21.05. | 16-20 Uhr | Langer Donnerstag
    Die Sonderausstellung hat bis 20 Uhr geöffnet.
  • 22.05.2026 | 18:30 Uhr | Prechtl ‒ Das druckgraphische Werk 
    Vortrag von Autorin Julia Kistner M.A.

    Vorstellung und Einblick in das druckgraphische Werk von Michael Matthias Prechtl. Hintergründe zur Entstehungsgeschichte des Werkverzeichnisses, Besonderheiten und neue Erkenntnisse seit der Veröffentlichung im Jahr 2019.

  • 26.05.2026 | 13-15 Uhr | Druckwerkstatt: Experimentieren mit Milchkarton & Mini-Handpresse
    Ferienprogramm für Kinder (ab 12 Jahre)
  • 27.05.2026 | 13-15 Uhr | Entdecke und abstrahiere: Der Motivsucher
    Ferienprogramm für Kinder (12−14 Jahre)
  • 28.05.2026 | 13-15 Uhr | Naturdruck
    Ferienprogramm für Kinder (6−12 Jahre)
  • 31.05. | 11 Uhr | Öffentliche Führung
    Das Leben und Wirken von Prechtl im Fokus
  • 03.06.2026 | 18:30 Uhr | Prechtls Röhren – Historische Filme über die Amberger Luitpoldhütte
    Vortrag von Stadtarchivar PD Dr. Andreas Erb

    Michael Mathias Prechtl ist den Ambergern und der Kunstwelt als Maler, Zeichner und Illustrator bestens bekannt - weniger weiß man über sein Leben in Amberg. Ein Teil dieses Lebensabschnitts soll nun näher beleuchtet werden: Von Mai bis Oktober 1950 arbeitete Prechtl als Röhrengießer bei der Luitpoldhütte in Amberg. Diese Produktion ist in zahlreichen Filmen gut dokumentiert, aus denen kommentierte Ausschnitte vorgeführt werden.                                                                                                                                                                                                                                                                                     

  • 09.06. | 9:30-11 Uhr | Wo Löwe, Wolf und Kuh sich treffen – Prechtls Tierbilder
    Frühkindliches Programm mit Anna Ondrejtschak, ab 2,5 Jahre
  • 17.06.2026 | 12-12:30 Uhr | Kunst-Snack
    20-minütige Kurzführung zu 1-2 ausgewählten Werken, danach Snack mit Getränk
  • 18.06.2026 | 16-20 Uhr | Langer Donnerstag
  • 21.06.2026 | 14:30 Uhr | Öffentliche Führung
  • 27.06.2026 | 10:30-12:30 Uhr | Werkkantine „Druckwerkstatt“
    für Kinder (6−12 Jahre)
  • 02.07.2026 | 9:30-11 Uhr | Wo Löwe, Wolf und Kuh sich treffen – Prechtls Tierbilder
    Frühkindliches Programm mit Anna Ondrejtschak, ab 2,5 Jahre
  • 03.07.2026 | 18:30 Uhr | Kunst zum Überleben: Michael Mathias Prechtl und die Kunst am Bau
    Vortrag von Stadtheimatpflegerin Beate Wolters M.A.                                                                                                                                                                                                                                     

    Als junger – noch unbekannter Künstler – im Nachkriegsdeutschland sich und seine Familie zu ernähren, war nicht einfach. „Kunst am Bau“ war für viele ein Rettungsanker. Auch für MMP. Auf Spurensuche in Nürnberg begegnen wir dem frühen Prechtl in schlichten Sgraffitos, kaleidoskopischen Wandbildern, tierischen Keramiken und großformatigen Fliesenbildern.

  • 08.07.2026 | 11 Uhr | Öffentliche Führung
  • Lounge-Ausstellung zum Schüler-Gestaltungswettbewerb
    Wettbewerbsarbeiten der 5. bis 12. Jahrgangsstufen in der Museumslounge. Eintritt frei.
  • 09.07.2026 | 12-12:30 Uhr | Kunst-Snack
  • 16.07.2026 | 16-20 Uhr | Langer Donnerstag
  • 18.07.2026 | 10:30-12:30 Uhr | Werkkantine „Kunst aus der Natur: Naturdruck“
    für Kinder (6−12 Jahre)
  • 19.07.2026 | 14:30 Uhr | Öffentliche Führung
  • 23.07.2026 | 11 Uhr | Öffentliche Führung
  • 05.08.2026 | 14 Uhr | Öffentliche Führung
  • 11.08.2026 | 12-12:30 Uhr | Kunst-Snack
  • 12.08.2026 | 13-15 Uhr | Naturdruck
    Ferienprogramm für Kinder (6−12 Jahre)
  • 13.08.2026 | 11 Uhr | Öffentliche Führung
  • 18.08.2026 | 13-15 Uhr | Das bin ich! – Charakterbilder collagieren wie Michael Mathias Prechtl
    Ferienprogramm für Kinder (8−12 Jahre)
  • 23.08.2026 | 14:30 Uhr | Öffentliche Führung
  • 17.09.2026 | 11 Uhr | Öffentliche Führung
  • 20.09.2026 | 14:30 Uhr | Öffentliche Führung
  • 23.09.2026 | 18:30 Uhr | Mit Dürer im Herzen. Die niederländische Reise von Michael Mathias Prechtl
    Vortrag von Dr. Petra Aescht, Museen der Stadt Nürnberg

    Im Vorfeld von Albrecht Dürers 500. Geburtstag bereiste Michael Mathias Prechtl 1970 die Niederlande. Die dort entstandenen Werke greifen Dürers Reiseskizzen von 1520 und 1521 auf, holen sie motivisch in die Gegenwart und deuten sie spielerisch um. Die für Prechtl charakteristische Mischung aus Leichtigkeit und Gelehrsamkeit ist typisch für seine zu Lebzeiten auch international populären Werke und macht ihn zu einer wichtigen Figur der Dürer-Rezeption seiner Zeit. 

  • 30.09.2026 | 17.15−19.15 Uhr | VHS-Kurs | Zeichnen vor Originalen
    mit Künstler Marcus Trepesch
  • 6. Oktober bis 10. November 2026 | 16-18 Uhr | VHS-Kurs | Kunst tut der Seele gut
    mit Kunsttherapeutin Evi Hefter
  • 24.09.2026 | 16-20 Uhr | Langer Donnerstag
  • 10.10.2026 | 11 Uhr | Weltliteratur in der Welt von Michael Matthias Prechtl
    Lesung in Kooperation mit der Bayerischen Hörbücherei

    Erlesene Stimmen der Bayerischen Hörbücherei präsentieren Gedichte, Balladen und Erzählungen, die eine Brücke schlagen zu den Werken von Michael Mathias Prechtl. 

  • 11.10.2026 | 14:30 Uhr | Öffentliche Führung
  • 15.10.2026 | 12-12:30 Uhr | Kunst-Snack
  • 12.10.2026 | 17-18 Uhr | „Bei Anruf Kultur“ | Michael Mathias Prechtl – Die Frauen in seinem Werk
    Telefonführung in Kooperation mit der Initiative des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg (BSVH) und grauwert, Büro für Inklusion & demografiefeste Lösungen

    Wir wollen die Frauenfiguren in seinem Werk besser kennenlernen. Von Dichterinnen und Musen bis hin zu seiner Ehefrau Frydl Zuleeg, die selbst Künstlerin war, fragen wir, wie Prechtl Frauen darstellt. Seine Wort- und Bildspiele eröffnen dabei vielfältige Deutungen und Bezüge – auch zur Gegenwart.

    Durch „Bei Anruf Kultur“ werden Teilhabe-Möglichkeiten für Menschen geschaffen, die sonst keine Möglichkeit hätten, diese Ausstellung zu erleben.

  • 21.10.2026 | 11 Uhr | Öffentliche Führung
  • 21.10.2026 | 18:30 Uhr | Zwischen Kunstrezeption, populärer Kultur und dem „Mythos Bayern“: Prechtls Plakat zur Ausstellung „Die Isar – Ein Lebenslauf“ von 1983
    Vortrag von Kunsthistorikerin Charlotte von Schelling M.A., Regensburg

    MMP, ein inhaltlich und medial unglaublich versierter und vielseitiger Künstler, hinterließ ein mannigfaltiges Portfolio an Gemälden, Zeichnungen, Lithografien, Illustrationen und Keramikwerk. 

    Doch insbesondere in den 1980er-Jahren sollte er sich deutschlandweit einen Namen als Plakatkünstler machen: Wie kaum ein anderer aus Ostbayern stammender Künstler provozierte Prechtl mit seinen Plakaten weit über seine bayerische Heimat hinaus – das Plakat diente ihm als ein Medium, mit dem er für seine Kunst eine exzeptionelle Breitenwirkung in der Öffentlichkeit erzielen konnte. 

    Seine typisch kritische Denkweise sowie seine individuelle Interpretation der (Zeit-) Geschichte konnte er so einem breiten Publikum im öffentlichen Raum zugänglich machen.

  • 04.11.2026 | 18:30 Uhr | Auf Samtpfoten durch die Kulturgeschichte. Michael Mathias Prechtls Galerie berühmter Katzen
    Vortrag von Dr. Julia Riß, Stadtmuseum Amberg

    Katzen tauchen immer wieder im Werk Prechtls auf.  1995/96 entsteht seine „Galerie berühmter Katzen“. Einige der Porträts werden als Illustrationen für E.T.A. Hoffmanns „Lebensansichten des Katers Murr“ von C.H. Beck sowie der Büchergilde Gutenberg abgedruckt. 

    Prechtl verfasst zu jedem Motiv eine persönliche Bildlegende. In den einzelnen Texten finden sich viele kunsthistorische, historische wie auch literarische Verweise, die an Beispielwerken entschlüsselt werden.                                                                                                                                                                                                                                    

  • 08.11.2026 | 14:30 Uhr | Öffentliche Führung
  • 14.11.2026 | 11-17 Uhr | Aktionstag „MMP“
    Kurzführungen für Familien, Kreativbereich, Vorlesen, Kinderschminken etc.
  • 19.11.2026 | 11 Uhr | Öffentliche Führung
  • 10.01.2027 | 11 Uhr | Öffentliche Führung

 

Buchung und weitere Informationen

Stadtmuseum Amberg

Zeughausstr. 18

92224 Amberg

Tel. 09621-101284

Mail: stadtmuseum@amberg.de

www.stadtmuseum-amberg.de