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Eine Chance für griechische Arbeitskräfte in Amberg – Delegation aus Amberg stellt in Trikala ein Programm vor, das dem Fachkräftemangel entgegenwirken soll

14. Dezember 2018

Trikala/Amberg – Die schwierige Arbeitssituation in Griechenland, gerade für junge Erwachsene, ist bereits im vergangenen Jahr beim Zusammentreffen der beiden Partnerstädte Amberg und Trikala ein großes Thema gewesen. Ein Thema, das nachhaltig Spuren hinterlassen und den Wunsch bei Oberbürgermeister Michael Cerny geschürt hat, den griechischen Freunden helfen zu können.

In Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung der Gewerbebau Amberg kam damals die Idee auf, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: denn auch auf dem Amberger Arbeitsmarkt ist die Situation nicht die einfachste. Zahlreiche Amberger Unternehmen, Firmen und Geschäfte suchen händeringend nach geeigneten Arbeitnehmern und auch Auszubildenden. „Griechische Talente suchen Arbeit und wir suchen Talente für unseren Arbeitsmarkt“, fasste Michael Cerny knapp zusammen.

Die Idee: Man bietet jungen, arbeitssuchenden Trikalanern die Chance, nach Deutschland zu kommen und hier in das Berufsleben einzusteigen. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch in Griechenland, besonders bei den jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren – sie liegt landesweit bei knapp 38 Prozent. Für die jungen Griechen ist es sehr schwer, sich in ihrem Land eine Zukunftsperspektive aufzubauen. Auf der anderen Seite fehlen in Amberg viele Fachkräfte.

Bei einem Besuch in Trikala konnte nun in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur und der städtischen Wirtschaftsförderung ein Lösungsansatz präsentiert werden. Vor den griechischen Vertretern der Handwerks-, Industrie- und Handelskammer, des Arbeitsamtes, der Berufsschulen und natürlich der Politik, allen voran Oberbürgermeister Dimitris Papastergiou, stellte die deutsche Delegation das Programm vor.

„Brain-Drain, also das Abwerben von Arbeitskräften in Lohn und Brot ist nicht unsere Intention“, machte Markus Nitsch, der Leiter der Agentur für Arbeit Schwandorf“ deutlich. Man wolle kein Head-Hunting betreiben, sondern lediglich arbeitssuchenden Menschen die Möglichkeit geben, nach Amberg zu kommen, um zu arbeiten.

Der erste Schritt sei, den Bedarf der Arbeitgeber in Amberg zu ermitteln: welche Stellen müssen besetzt, welche Qualifikationen vorhanden sein. Dies sei die Aufgabe von Christoph Fuchs, dem Wirtschaftsförderer der Gewerbebau Amberg. Er hatte bereits im Vorfeld an der Umsetzung der Idee gearbeitet und Udo Hensel von der WBS Trainings-AG  ins Boot geholt. „Die WBS bringt die Unternehmen mit den Interessenten zusammen“ erklärte Hensel den griechischen Zuhörern. Könne man sich einigen, werde ein Arbeitsvertrag, bzw. ein Vorvertrag unterzeichnet, der beide Seiten absichern soll. Mit einem intensiven Deutschkurs würden dann die griechischen Vertragspartner auf den Neustart in Deutschland vorbereitet. „Die Landessprache zu lernen ist unabdingbar und absolut notwendig, um sich ein Leben in Deutschland aufbauen zu können“, bestätigte auch Sofia Tornikidou von der zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit. Für Umschulungsmaßnahmen, Weiterqualifizierungen und Ausbildungen gäbe es hierfür Fördermittel und Finanzierungsmöglichkeiten seitens der Arbeitsagentur.

Trikalas Oberbürgermeister Dimitris Papastergiou zeigte großes Interesse an dem Programm. „Dennoch ist es nicht leicht für uns als Stadt, dass wir unsere Jugend nicht ausreichend selbst unterstützen können“, gab Papastergiou zu. Die Kooperation mit Amberg sei aber eine Win-Win-Situation. Die jungen Griechen könnten in Deutschland Ihren Weg gehen und einige von ihnen später als Fachkräfte in die Heimat zurückkehren. Gleichzeitig wünsche er sich eine Zusammenarbeit der Kammern in Trikala und Amberg, um weitere Potentiale der wirtschaftlichen Zusammenarbeit auszuloten.

Im Januar sollen nun auf griechischer Seite die ersten Vorbereitungen passieren, die dann in einer gemeinsamen Absichtserklärung, einem sogenannten „Letter of Intent“ festgehalten und von beiden Seiten unterzeichnet werden sollen. 

Stadtkämmerer Franz Mertel, der auch für die Städtepartnerschaft mit Trikala verantwortlich zeichnet, war froh, dass man einen gemeinsamen Nenner gefunden habe. „Ich freue mich, wenn die Städtepartnerschaft durch derartige Programme am Leben gehalten wird und weiterhin ein reger Austausch stattfindet“. Ende März 2019 scheidet Franz Mertel aus dem aktiven Dienst aus und übergibt dann auch die Städtepartnerschaft in die Hände seines Nachfolgers.

 (sis)